Ich bin kein Freund von Stativen. Die feste, ja fast schon stationäre Montage der Kamera auf einem solchen ist mir verhasst. Auch das Einbein mag ich nicht, finde ich es doch noch unhandlicher als ein Dreibein. Allerdings kommt immer mal wieder eine Zeit im Leben, zu der der sich Dinge ändern und es gilt, über Vorlieben und Ansichten nachzudenken.

Eine solche Zeit durchlebe ich nun gerade wieder, in der sich mein fotografisches Interesse langsam aber stetig verschiebt. Weg von der Zoo-Fotografie, hin zur Wildlife-Fotografie. In letzterer werden deutlich längere Brennweiten benötigt als es bei mir bisher der Fall war. Reichte mir bei den meisten Zoobesuchen bisher ein 70-200, so braucht es draußen in freier Wildbahn doch zumeist weitaus mehr. Diese Anforderung von „mehr“ erfüllt bei mir im Moment ein Tamron 150-600. Problem gelöst. Zu der Zeit seines Erscheinens ein wahres und konkurrenzloses Preis/Leistungswunder. Inzwischen gibt es da aber sehr interessante Alternativen, die kaum teurer sind. Aber für jetzt reicht es aus.

Wildlife ist anders, so ganz anders als Zoo. Muss man im Zoo nur ein wenig Geduld zeigen um einen netten Moment zu erhaschen, so verzigfacht sich diese Zeit draußen am See – man wartet. Gleiches gilt für den richtigen Blickwinkel, im Zoo ist dieser zumeist schnell gefunden, allein schon aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten – am See eine ganz andere Geschichte; manchmal ist dies dann sogar mit körperlicher Anstrengung verbunden.

Nachdem ich einsehen musste dass man eine Kamera mit 150-600 nicht stundenlang in Händen halten kann um auf den rechten Moment zu warten, wurde sie bei einem Ausflug dann doch auf ein Stativ mit Kugelkopf montiert. Der Kugelkopf ist kein schlechter, das System hat aber doch erhebliche Schwächen bei der Verfolgung von Motiven. Ein Freund saß derweil sehr entspannt neben mir, auf einem Dreibein-Hocker, vor einem Dreibein-Stativ und die Kamera gehalten von einem Benro GH-2. Und so begab es sich also, dass ich den großen Bruder des GH-1 auf dem Stativ des Freundes testen durfte. Das ganze fühlte sich gut an, zu gut. Verschlusszeiten konnten reduziert werden, ebenso wie ISO’s – beides mag man, letzteres ganz besonders. So entschloss ich mich, mich ein wenig genauer mit dem Thema Kardanstativkopf (Gimbal Head) zu beschäftigen.

Der Einstieg in diese Welt ist weder einfach noch günstig und es gibt unzählige Varianten an unterschiedlichen Köpfen von unzähligen Herstellern. Die Preise variieren zwischen 65Euro und 1500Euro. Der sinnvolle Einstieg beginnt bei zirka 200Euro, feine Sachen beginnen bei 450Euro und ab 650Euro werden sie neben gut auch noch schön. Da ich ja aber ungern viel Geld für Dinge nur so zum Ausprobieren ausgebe, durchforstete ich das Internet und fand in einem der häufiger besuchten Fotografieforen einen gebrauchten Benro GH-1 zu einem unschlagbaren Preis. Dieser war schnell „erlegt“ und wenige Tage später auf meinem Tisch. Der unschlagbare Preis erklärte sich mit der fehlenden Stativplatte und dem Fett, welches der Hersteller für einen seidenweichen Lauf in den Kopf eingebracht hatte. Es war ob des Alters so zäh das nur ein zerlegen, reinigen und neu fetten Besserung bringen konnte. Für alle die selbiges tun wollen, zumindest mein Benro GH-1 hat Zoll-Schrauben, metrische Schlüssel bringen einen hier nicht weiter.

Nachdem also alles zerlegt, gereinigt und mit feinstem Teflon Fett fett geschmiert war, ging es wieder an das zusammensetzen. Als Belohnung erhielt ich einen Kopf bei dem der Lauf wieder weich (nicht seidenweich) ist und auch die Friktionsschrauben wieder tun was sie sollen. Bei den Friktionsschrauben sehe ich den größten und einzigen Makel des Benro GH-1. Die Friktionsschraube für die horizontale Achse sollte eher Feststellschraube genannt werden. Der Bereich in dem der Leichtgang des Kopfes eingestellt werden können soll ist so klein, das auf leicht gebremst sogleich fest folgt. Dieses Verhalten konnte ich am GH-2 ebenfalls feststellen. Abseits dieses kleinen Mankos funktioniert der Kopf richtig gut. Das Gespann aus Sirui Stativ und Benro Kopf macht einen hervorragenden Eindruck und kommt mit der Kombi Nikon D4 / Tamron 150-600 leicht zurecht, erste Testaufnahmen mit dem Kopf bestätigen dies. Nach dem Brennweitenprobem wurde damit das Stativproblem gelöst. Mögen tue ich sie noch immer nicht, habe sie aber als notwendiges Übel zum Erfolg akzeptiert. Und mit dem Kopf macht es fast sogar Spaß.

Doch ein weiteres Problem tut sich bereits auf – die Brennweite reicht nicht. Will man etwas von der Größe eines Bierdeckels auf zirka 30 Meter Distanz ablichten und dabei mehr als nur wenige matschige Pixel erhalten, muss man die Distanz überbrücken. Das geht zum einen mit Brennweite, wobei nach 600mm tatsächlich nicht mehr viel kommt. Und eine Verdopplung der Pixelmenge im Ergebnis setzt eben auch eine Verdopplung der Brennweite voraus. Schwer darstellbar. Oder aber man behilft sich mit einer anderen Lösung die da Tarnung heißt. Ein weiteres großes Thema, zu dem bei Gelegenheit sicher auch noch ein paar Worte folgen werden.

Ach ja, zumindest ein Dreibein-Hocker ist inzwischen ebenfalls angeschafft…einfach nur zu empfehlen! :-) Nachfolgend ein paar erste Bilder, die mit der beschriebenen Kombi aufgenommen wurden. Auch wenn nur im Garten - es ist Wildlife

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